Wiederum erfolgreiche Betreuung von Dagmar Großheim/Achim Heukemes in New York

New York / Bad Staffelstein. Sein Blick ist starr auf die Strecke gerichtet. Gestern war es brütend heiß, heute wird er nass bis auf die Knochen. Er leidet mit den Läufern, die gequält ihre Runden ziehen. Er weiß: Auf ihn kommt es an, ohne ihn würden sie die fast unerträglichen Strapazen nicht aushalten. Alles ist auf eine Karte gesetzt: Ziel ist, bei diesem wichtigen Rennen ganz vorne mit dabei zu sein. Für Alexander Flohr ist es eine unglaubliche Voraussetzung: Der Physiotherapeut aus Bad Staffelstein begleitete die bekannten Ultra-Läufer Achim Heukemes und Dagmar Großheim auf deren Wunsch als medizinischer Betreuer zum Zehn-Tage-Rennen New York.
"Dagmar, Achim und ich kennen uns schon etwas länger. Vor allem Dagmar habe ich schon zwei Mal zuvor betreut", erläutert Alexander Flohr. Auch das waren namhafte Anlässe: Zum einen in Vidauban/Frankreich bei der WM im Ultra-Triathlon, zum anderen beim "Badwater Race" im Tal des Todes, im Death Valley in den Vereinigten Staaten. "Und dann kam eines Tages von denen der Anruf mit der Frage: "Bock auf New York?" Da sagt man nicht nein. Ich war sofort dabei." Die Freigabe von seinem Chef Michael Klob für dieses Unterfangen zu bekommen, war nicht wirklich schwer. Auch er ist laufsportverrückt, auch er ist ein Freund der beiden Spitzensportler. So war es Ehrensache, dass er "grünes Licht" und Alex Flohr Urlaub gab. Mehr noch: Er spendierte dem Spitzen-Team aus Deutschland sämtliche medizinischen Utensilien.
Für die Läufer bedeutete das zehntägige Dauer-Rennen im Meadow Corona Park New York: Zehn Tage Extrembelastung, zehn Tage Höchstleistung, zehn Tage keinen richtigen Schlaf - und zehn Tage Schmerzen, die sich immer mehr steigern. "Das ist unglaublicher Dauerstress für den Körper. Als Physiotherapeut bist du dann für alles verantwortlich. Für sämtliche Schmerzen, für alle Blockaden und jegliche Muskelblockaden", erläutert Alex Flohr. Ohne medizinischen Betreuer wie ihn wären die Strapazen gar nicht durchhaltbar gewesen.  "Ich habe versucht, die auftretenden Probleme mit verschiedenen Techniken aus dem Physio- und dem Medizin-Bereich zu bekämpfen." Wichtigste Hilfsmittel für Alex Flohr: Verschiedenste Salben, Tape-Verbände und Medi-Tapes.
Ein Graus für jeden Ultra-Läufer: Ein "Shin splin", eine extrem schmerzende Verletzung im Schienbeinbereich, zu bekommen. Meist bedeutet diese Diagnose das Aus. Dagmar Großheim bekam diese Schienbeinentzündung bereits ab dem zweiten Tag. Alex Flohr bekam sie dennoch immer wieder fit: Sie konnte weitermachen und bis zum Ende durchhalten. Da staunten die Betreuer aus den anderen Teams nicht schlecht und zogen sprichwörtlich ihren Hut.
Neben der medizinischen Versorgung war der Physiotherapeut aus der Adam-Riese-Stadt außerdem noch Motivator für das Team Heukemes-Großheim:  "Ich musste die beiden immer wieder aufbauen und zu weiteren Leistungen anspornen. So geschafft sie auch waren." Jeweils 1,6 km war eine Runde im Corona Park in Queens lang. "Immer und immer wieder kamen sie dabei am Betreuer-Feld vorbei. Ich musste immer bereit stehen und war ebenso angespannt wie Achim und Dagmar auch", verrät der 29-jährige. Meistens kam einer der beiden für einen kurzen Essens-Stopp ins Physio-Zelt, wurde während der Nahrungsaufnahme wieder "aufgepeppelt" und ging wenige Minuten später wieder auf die Strecke. "Füße aufmöbeln, dehen, lösen, lockern und durchbluten", erläutert Flohr. "Das hat den beiden immer sehr gut getan." Zumal der Bad Staffelsteiner sein Handwerk ja nicht seit gestern macht.
Größere Pausen gönnen wollte man sich nur selten. Zumal Achim Heukemes, ein Weltstar unter den Ultra-Läufern, als einer der Favoriten gehandelt wurde. "Im Rennen waren Nationen aus der ganzen Welt, unter anderem auch die Nummer 1 der Szene, Madhupran Schwerk", zeigt er auf. "Und der legte von Anfang an ein höllisches Tempo vor. Für Achim Heukemes kam erschwerend hinzu, dass er sich kurz vorher eine Erkältung zugezogen hatte. Doch Achim ist eine unglaubliche Kämpfernatur und hielt verbissen durch."
New York ist bekannt und berüchtigt für seine Wetterkapriolen. Das bekamen die beiden Athleten und Alex Flohr hautnah zu spüren: "Am ersten Tag holte ich mir einen Sonnenbrand. Tags darauf fing es an, wie aus Eimern zu regnen. Ohne Unterlass, 36 Stunden lang. Und als Betreuer musst du da sitzen und immer ausharren. Egal, was kommt. Mit zwei Stunden Schlaf maximal pro Tag. "Das war schon heftig", gewährt er Einblick. "Auch die Läufer selbst schliefen nicht wesentlich mehr: "Vier bis fünf Stunden höchstens." Zumal  man im Zelt übernachtete und das nicht sonderlich komfortabel war. "Das Ganze ist eine unheimlich harte Angelegenheit", betonte Achim Heukemes selbst.
Der Ultra-Läufer schaffte es während der zehn Tage auf unglaubliche 701 Meilen (rund 1200 Kilometer) beim renommierten und weltweit beachteten Zehn-Tage-Rennen in New York. Das bedeutete letztendlich Rang zwei hinter dem bärenstarken Madhupran Schwerk. "Der war für mich bei diesem Rennen nicht zu schlagen", zollt er Respekt. Dagmar Großheim brachte es mit 535 Meilen auf den sechsten Platz bei den Damen. Für sie eine tolle Leistung.
Achim Heukemes und Dagmar Großheim waren hoch zufrieden mit der geleisteten Arbeit von Alex Flohr. "Wir werden unsere Zusammenarbeit weiter führen" verrät der Bad Staffelstein, zusammen weiter für das erfolgreichste Duo Deutschlands. "Geplant haben die beiden als nächstes einen Berglauf in Tibet und die Teilnahme am "Transeuropa". Ich werde dabei sein, wenn es sich mit meiner Arbeit im Beruf vereinbaren lässt."

Betreuung Achim Heukemes/Dagmar Großheim

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